Rezensionen

 Bücher von Interesse von unseren AutorInnen rezensiert

Birgit Seemann,

Ein ‚feather weight champion Cassius Clay'

Eleonore Sterling (1925-1968). Deutsch-jüdischen Kämpferin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus

(Reihe Wderständige Frauen – Band 16), Lich (Verlag Edition AV) 2013

 

„Widerständige Frauen" ist eine Buchreihe benannt, die der Verlag Edition AV herausbringt. In dieser Reihe hat Birgit Seemann dieLebensgeschichte einer jüdischen Frau nachgezeichnet, die als 13-Jährige – noch vor der Reichspogromnacht 1938 – ihr Elternhaus in Heidelberg Richtung New York verließ und so der Judenvernichtung entkam. Dass noch halbe Kinder ohne ihre Eltern sich außerhalb von Deutschland in Sicherheit brachten, war nicht ganz ungewöhnlich.
„Die begabte, zielstrebige Schülerin" Eleonore Oppenheimer „wollte Lehrerin werden, doch hatte das nationalsozialistische Ausbildungssystem sie längst ‚ausgesondert'. Wie andere jüdische Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Familie ‚auswanderten', bewegten sie widersprüchliche Gefühle: Erleichterung, den alltäglichen Demütigungen und zunehmenden Einschränkungen in einer immer bedrohlicheren Umgebung, die einst Heimat war, nicht mehr ausgesetzt zu sein; Sorge um die Zurückbleibenden..." (S. 9)
Die Sorge war berechtigt, waren ihre Eltern doch unter den ersten Deportierten und starben schon bald nach der Deportation an den katastrophalen Lagerbedingungen. Einzig ihr Bruder entkam der Vernichtung. „Ellie" Oppenheimer verfolgte ihr Ziel, Lehrerin zu werden, trotz mancher Umwege weiter. Sie ging in New York auf das Sarah Lawrence College und machte dort ihren Bachelor, kurz bevor Erich Fromm an diesem College mit der Durchführung einer empirischen Studie begann (die nie abgeschlossen wurde). Mag sein, dass die inzwischen verheiratete Eleonore Sterling Fromm dennoch bei ihrem weiteren Studium an der Columbia University und an der New School traf, an denen Fromm in diesen Jahren lehrte.
Ihre Masterthese schrieb sie 1949 über die Sozialgeschichte des Judenhasses in Deutschland – eine Thematik, die sie von da an nicht mehr losließ. Denn im Oktober 1953 kehrte sie nach Deutschland zurück und begann bei dem ebenfalls zurückgekehrten Max Horkheimer eine Dissertation über die Anfänge des Judenhasses in Deutschland. Mit ihren Forschungen wurde sie zu einer „deutsch-jüdischen Kämpferin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus" (so der Untertitel des Buches). Birgit Seemann sieht in der ersten weiblichen Professorin für Politikwissenschaft mit Recht eine „Pionierin" der Antisemitismusforschung. Mit ihrer einfühlsam geschriebenen und sorgfältig recherchierten Biografie von Eleonore Sterling (1925-1968) trägt die Autorin ganz wesentlich dazu bei, dass Sterlings Forschungen auch für die Gegenwart bedeutsam bleiben.


Birgit Seemann, Ein ‚feather weight champion Cassius Clay'. Eleonore Sterling (1925-1968). Deutsch-jüdischen Kämpferin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus (Reihe Wderständige Frauen – Band 16), Lich (Verlag Edition AV) 2013, 248 Seiten. ISBN: 978-3868-410785. Euro 18,00.

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