Ausblick auf unsere Jahrestagung 2027
vom 23. bis 25. April 2027 in der Evang. Akademie Hofgeismar
Es ist ein Thema, das nicht gerade zum Wohlfühlen einlädt, aber für die Internationale Erich-Fromm-Gesellschaft in jüngster Zeit unausweichlich geworden ist: die menschliche Destruktivität. Mit Russlands vollumfänglichen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich der Zeitgeist in ganz Europa verändert. Inzwischen gibt es hier vermehrt politische Zustimmung für eine echte Kriegstüchtigkeit, also pro Aufrüstung und – in der Konsequenz – auch die persönliche Bereitschaft zum Töten. Solch eine Verschiebung im Gesellschaftscharakter fordert eine Analyse aus verschiedenen Perspektiven, wobei eine nicht fehlen darf: Erich Fromm ist einer der wenigen Denker, die es geschafft haben, einerseits die Hoffnung hochzuhalten und andererseits mit soziologischen und psychoanalytischen Mitteln bis in die verborgensten Winkel der Zerstörungslust vorzudringen. Ein eindrückliches Zeugnis davon stellt das 1973 erstveröffentlichte Buch The Anatomy of Human Destructiveness (deutsch: Anatomie der menschlichen Destruktivität) dar.
Darin untersucht Fromm die Charaktermerkmale u.a. Hitlers, Himmlers und Stalins, wobei die Erkenntnisse von Aussagen Albert Speers im persönlichen Gespräch gestützt werden.
Fromm hielt Freud stets entgegen, dass der Trieb zum Leben (und nicht der Todestrieb) eine wesentliche, wenn nicht die stärkste Eigenschaft des Menschen sei. Diese Biophilie, so macht es den Anschein, hat in unserer heutigen Gesellschaft einen schweren Stand. Nicht nur bringt es der technologische Fortschritt mit sich, dass wir abhängiger von unbelebten Dingen werden. Auch ist der benannte soziale Druck in Richtung einer kriegsbereiteren Gesellschaft spürbar. Aber was sind die Motive? Sind wir als Menschen bereit zum Töten, um zu bewahren? Oder um alles zu verändern? Warum zerstören wir zum Wohle anderer? Und warum zu unserem (scheinbar) eigenen Nutzen? Und: Wie kann es sein, dass wir uns nach Sicherheiten sehnen, aber das Versprechen von Disruption und Destruktion in vielen Ohren so verheißungsvoll klingt?
Dies sind Fragen, denen wir in unserer Jahrestagung – Destruktivität und Populismus (Arbeitstitel) – vom 23. bis 25. April 2027 in der Evangelischen Tagungsstätte Hofgeismar auf den Grund gehen. Als Referentinnen zugesagt haben bislang die Soziologin und Autorin à Dr. Carolin Amlinger (Basel) sowie
à Dr. Rainer Funk. Angefragt ist u.a. die Philosophin Eva von Redecker (Berlin). Der Vorstand ist aktuell dabei, weitere hochqualifizierte Referierende für die Veranstaltung zu gewinnen und wird zum zweiten Mal einen Call for Abstracts (gerichtet vor allem an junge Fromm-Interessierte aller Fachrichtungen) herausgeben. Dieser darf dann nach der Veröffentlichung sehr gerne verbreitet werden.
Wir freuen uns auf erhellende Vorträge und Diskussionen – und natürlich auf euch! Alle Details zu dieser Tagung und die Möglichkeit zur Anmeldung folgen mit dem Frühjahrs-Rundbrief 2027 (erscheint vsl. im Januar 2027).
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