Rezension von Rainer Funk
Ähnlich wie Fromm 1962, als die Welt am Rande eines atomaren Dritten Weltkrieges stand, den Begriff der Biophilie – der Liebe zum Lebendigen – entwickelte, spürte Daniel Schreiber angesichts der gegenwärtigen Polykrisen das Bedürfnis, das Buch Liebe! Ein Aufruf zu schreiben (bei Carl Hanser 2025 erschienen). Offensichtlich gut mit dem sozialpsychologischen Ansatz von Erich Fromm vertraut, greift er (S. 83-91) vor allem Fromms Entdeckung des Gruppennarzissmus auf, um zu erklären, was heute die Menschen daran hindert, das Leben zu lieben. Auch macht er sich angesichts neoliberalen Wirtschaftens Gedanken, welche Voraussetzungen wirtschaftlich und gesellschaftlich geschaffen werden müssten, um der Biophilie als Leitwert unseres Denkens, Fühlens und Handelns wieder Kraft zu verleihen. Hierzu aktualisiert er Fromms Gedanken zur Existenzweise am Haben oder am Sein – ein passender Beitrag zur 50. Wiederkehr der Publikation von „Haben oder Sein“ im Herbst 2026.
Kommentare sind geschlossen